RRK Intern

Die deutsch-ungarische Unstrut-Saale-Elbe-Wanderfahrt

06.09.2018

Seit nunmehr 35 Jahren führt der Regensburger Ruder-Klub von 1890 e.V. (RRK, früher RRTK) alle zwei Jahre Wanderfahrten mit einer wechselnden Crew von Ruderern und Ruderinnen des ungarischen Ruderclubs GAJA Evez?s Túraklub Budapest durch, die mal von der deutschen Seite, mal von der ungarischen Seite organisiert werden und dementsprechend mal in Ungarn, mal in Deutschland stattfinden. Die diesjährige Unstrut-Saale-Elbe-Tour markierte zugleich das 35jährige Jubiläum dieser Partnerschaft, die bei einer TID-Fahrt zwischen Hans Hecht und Miklos Nozdroviczky vereinbart worden war und 1983 zum ersten Mal mit Leben erfüllt wurde. Bezeichnenderweise war dies zugleich die Hochzeitsreise von Karin und Hans Thumann, dem derzeitigen Vorsitzenden des RRK. Inzwischen sind die Regensburger mit den ungarischen Gewässern Donau, Theiß, Kreisch (Körös) und Marosch (Maros) ebenso vertraut wie die ungarischen Partner mit Donau, Naab, Main und Weser oder der Mecklenburger Seenplatte.

Stützpunkt der jetzigen Wanderfahrt (17. bis 25. August) war das imposante Bootshaus der Halleschen Rudervereinigung Böllbergvon 1884 und Nelson von 1874 e.V. in Halle/Saale, in dem alle 34 Teilnehmer (davon sechs Ungarn) Platz fanden und von wo Unstrut und Elbe gleichermaßen zu erreichen waren, so daß kein ständiger Quartierwechsel nötig war, auch wenn die Anfahrten zu Beginn und am Ende der Tour etwas länger waren.

Dafür hatte man touristische highlights wie Naumburg, Weißenfels, Merseburg, Halle, Wettin und Bernburg in unmittelbarer Nähe; für Selbstfahrer waren sogar Leipzig, Magdeburg oder Berlin in Reichweite einer Tagestour.

Ominös war die Anreise nach Halle, bei der uns ein Brand im Pfaffensteiner Tunnel von Regensburg gleich eine zweistündige Verspätung bescherte, da Umwege über die Dörfer gesucht werden mußten. Zum Glück waren diese aber auch für das Bootswagen-Hänger-Gespann passierbar, was später in kleineren Orten wie Wettin oder Bernburg nicht immer gegeben war, so daß für den Bootswagen immer besondere Anfahrtswege gefunden werden mußten.

Einen besseren Start für die Tour als die Etappe von Freyburg nach Weißenfels hätte man kaum finden können, liegt doch die Einsetzstelle direkt unter den Weinbergen rund um die stattliche Neuenburg. Dann geht es 5,2 km durch das idyllische Unstruttal, bis man in der Nähe von Naumburg vorbei am Weinberg Blütengrund in die Saale einfährt, wo in einem in Stein gehauenen Relief die Geschichte des Weinbaus dargestellt ist.

Weniger glücklich war dann, daß wir just in dem Moment in Weißenfels eintrafen, als eine Regatta in vollem Gange war. Doch mit lokaler Unterstützung gelang es uns, in dem Getümmel anzulegen und unsere fünf Boote am Bootshaus des Rudervereins Weißenfels (mit dem seit Jahren ebenfalls eine Partnerschaft besteht) zu lagern.

Einen Teil der Crew zog es noch nach Naumburg, der Rest trat den Heimweg nach Halle an, obwohl wir im Bootshaus wegen zweier Veranstaltungen inzwischen zu Zaungästen degradiert worden waren. So ging man grüppchenweise in die Stadt, wo kein Mangel an guten Restaurants herrscht.

Auch am nächsten Tag kamen wir zur Fortsetzung der Tour von Weißenfels nach Merseburg etwas ungelegen, denn die Weißenfelser feierten gerade eine Bootstaufe im Vorfeld eines Drachenboot-Rennens. Wieder mußte es also mit dem Einsetzen der Boote schnell gehen, doch das war ganz in unserem Sinne. Auf halber Strecke der Etappe lag der Kanuclub Bad Dürrenberg, wo man die Mittagsrast einlegte, ehe es zum Etappenziel, dem Bootshaus der Merseburger Rudergesellschaft, weiterging, wo man ankam, als die Gastronomie gerade schließen wollte, man sich angesichts der großen Gruppe dann aber doch entschloß, die Ruderer noch zu verköstigen, ehe sie mit Fahrzeugen nach Halle gebracht wurden.

Anderntags fand vor der Etappe Merseburg-Halle eine Führung durch Merseburg mit einer sehr interessanten Domführung statt, die nicht nur unsere ungarischen Freunde begeisterte. Weniger erfreut waren sie über den Hinweis auf die Rolle der Ungarn in der Frühgeschichte von Merseburg, die ja mit den Ungarneinfällen des 10. Jahrhunderts und dem Gelöbnis Ottos I. verknüpft ist, Merseburg zum Bistum zu erheben, falls er aus der Schlacht auf dem Lechfeld (955) lebend und siegreich hervorgehen sollte, was dann auch geschah. Eine frühere Schlacht König Heinrichs I. gegen die Ungarn, die Schlacht von Riade (936), soll oder könnte sogar im Raum Merseburg stattgefunden haben. Damit, ausgerechnet auf einer Wanderfahrt mit ungarischen Partnern in Mitteldeutschland auf Episoden der ungarischen Geschichte zu stoßen, hatte wohl kaum jemand gerechnet.

Die wenig attraktive Etappe von Merseburg durch das Industriegebiet südlich von Halle zum Stützpunkt hat der Chronist als Landdienst umgangen und auch hinterher nur wenig Berichtenswertes über diesen Tag erfahren.

Auch die  nächste Etappe von Halle nach Wettin (26 km) wurde ohne Schwierigkeiten gemeistert, nur der Rücktranport nach Halle wurde für einen Teil der Gruppe verzögert, da der Zweitschlüssel für den zweiten Bus, den jemand am Morgen zum Zielpunkt gebracht hatte, im Quartier in Halle verblieben war und erst geholt werden mußte.

Die folgende Etappe von Wettin nach Bernburg konnte nicht ausgefahren werden, da die Saale hinter Alsleben nicht befahrbar war. So mußten die Boote in Mukrena abgeriggert, verladen und per Hänger zum Bernburger Ruderclub gebracht werden, wo sie wieder aufgeriggert und für die letzte Etappe von Bernburg nach Schönebeck (so der Plan) bereitgelegt wurden.

Anderntags zeigte sich, daß man mit den 56 km bis Schönebeck etwas zu ehrgeizig geplant hatte, denn der Termin für das gemeinsame Abschlußabendessen im Bootshaus war für 20 Uhr angesetzt und den galt es einzuhalten. Zum einen betrug schon die Anfahrt fast eine Stunde. Die Selbstbedienungsschleusen kosteten Zeit und wegen heftigen Gegenwinds und starker Wellen konnte der Zeitplan für die erste Hälfte der Etappe nicht eingehalten werden. In Groß Rosenburg, wo Ruderer ausgetauscht werden sollten, die nur eine Hälfte der Strecke rudern wollten, trafen die Boote mit ca. 90 Minuten Verspätung ein. Trotzdem war eine Pause erforderlich, nach der die noch fehlenden 28,4 km nicht mehr so rechtzeitig hätten bewältigt werden können, um am Ende abriggern, aufladen und rechtzeitig nach Halle zurückkehren zu können, weshalb man beschloß, auf jeden Fall bis zur Elbe zu rudern, dann aber schon an der Fähre Barby anzulegen und die Tour zu beenden. Auch die letzten 10, 3 km auf Saale und Elbe waren ruppig, doch alle Boote kamen wohlbehalten an, wurden abgeriggert und verstaut, so daß beim abschließenden Gruppenbild alle schon wieder ein Lächeln aufsetzen konnten.  Entsprechend gelöst war dann auch die Stimmung beim gemeinsamen Abendessen im Bootshaus, wo die einzelnen Crews ihre Erlebnisse (wie z. B. das Katz-und-Maus-Spiel mit einer Gierfähre) austauschen konnten.

Es würde zu weit führen, all die kulturellen Highlights und Sehenswürdigkeiten aufzuführen, die die Teilnehmer im Rahmen von gemeinsamen Führungen oder im Alleingang erleben durften. Die Region um Halle, der Saalekreis mit den Städten Naumburg, Weißenfels, Merseburg, Wettin und Bernburg – um nur einige zu nennen, ist so reich an kulturellen Schätzen, daß man versucht ist, ohne Boote zurückzukehren, um sich diesen Verlockungen eingehender widmen zu können. Hans und Karin Thumann sei Dank für die hervorragende Organisation dieser deutsch-ungarischen Wanderfahrt, der schon eine ähnliche Fahrt im Jahr 2011 – damals mitorganisiert von unserem leider schon verstorbenen Klubmitglied Jürgen Nepaschink aus Berlin – vorausgegangen war. Unsere ungarischen Freunde wollen sich in zwei Jahren mit einer Wanderfahrt auf der oberen Theiß revanchieren, die ebenfalls schon einmal stattgefunden hat, die viele aber nur vom Hörensagen kennen und deshalb begierig darauf sind, diese Strecke selbst zu befahren.

R. F. Dietze

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Dr. Rudolf F. Dietze
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