RRK Intern

Dritter deutsch-spanischer Jugendaustausch RRK und CRM vom 26.07. – 04.08.2019

13.08.2019

Am Freitag, den 26.07.2019, pünktlich zum Sommerfest des RRK, trafen unsere zwölf spanischen Ruderfreunde erst um 20 Uhr ein, da drei Koffer am Flughafen verloren gegangen waren. Wir freuten uns sehr sie wiederzusehen und begrüßten sie herzlich. Doch vom versprochenen Spanferkel, per WhatsApp schon vorab bildlich angekündigt, waren leider nicht einmal mehr Knochen übrig! Hungrig holten sie sich ein paar andere Bissen und genossen dann den Abend mit uns gemeinsam. Was für ein freundlicher Eindruck mit Speis und Trank und Live-Musik bei bestem Wetter und sehr vielen netten Gästen.

Nach der ersten Nacht in den Gastfamilien trafen wir uns alle gemeinsam am Rathaus für eine spanischsprachige Stadtführung. Nach einer kurzen Mittagspause besuchten wir dann das Haus der Bayerischen Geschichte. In englischer Sprache geführt, erfuhren wir z. B. dass Bayern durch Napoleon zum Königreich erhoben wurde, die Wittelsbacher Könige jedoch aus Prinzip sich nie die Königskrone auf das Haupt setzten, da Napoleon sich selber vorher sogar zum Kaiser gekrönt hatte. Auf allen Gemälden liegt die Krone daher stets neben ihnen auf einem Tischchen. Interessant war der Einblick zum Aufschwung der bayerischen Wirtschaft im 19. Jh., besonders im Maschinenbau und der ersten Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth, zur Kühlung des kostbaren Gerstensafts auf der Schiffsreise nach Amerika und den mannigfaltigen kleinen Brauereien mit jeweils eigenen Bierkrügen, zur Bedeutung der ersten Bayerischen Verfassung von 1808 und 1818. Damit beschritt das Königreich Bayern schon früh den Weg vom Fürstenstaat zum Verfassungsstaat und Freistaat. Wir erfuhren die interessante Geschichte zum Fahrzeugbau in den Nachkriegsjahren mit Goggomobil und Messerschmitt Kabinenroller und vieles mehr. Und nach so viel Geschichte und einem Spaziergang zum Klub waren eine Abkühlung durch einen Sprung in die Donau und die leckeren Schnittlauchbrote danach wirklich willkommen. Wir hatten viel Spaß. Am Abend stand noch das Abriggern und Aufladen der Boote an. Das ging dann Hand in Hand zusammen mit unseren spanischen Gästen.

Der Sonntag war Familientag und am Montag stand der Donaudurchbruch auf dem Programm. Wir fuhren zunächst bis Vohburg, luden dort die Boote an der Donau ab und bereiteten alles für die Wanderfahrt vor. Unterwegs fingen die Spanier an, ins Wasser zu springen; unsere Jugendlichen sprangen gleich hinterher und schnell waren die Fähnchen am nächsten Boot geklaut. Also hinterherspringen und es wieder zurückholen. Ab dann wurden die Fähnchen besser bewacht. Wir ruderten zwischendurch wieder weiter und kamen schließlich in Weltenburg an. Dort legten wir an und zogen die Boote aus dem Wasser. Hunger und Durst führten uns direkt in die Klosterschänke. Vorher lauschten die Spanier aber erst Marias Erklärungen zur Asam-Kirche und fanden das barocke Programm mit all seinen Bedeutungen sehr interessant. Nach dem Essen stiegen wir wieder in die Boote, ruderten konzentriert zwischen den Felsen im Donaudurchbruch durch und kamen schließlich nach insgesamt 35 km Rudern in Saal recht müde an. Aber für einen Sprung in die Donau gab es immer noch genügend Energie und Lust. Drei von fünf Booten ließen wir auf der Wiese dort liegen. Sie wurden am nächsten Abend dank der großartigen Unterstützung von Klubmitgliedern nach Regensburg zurückgerudert.

Am Dienstag trafen wir uns an der Dombauhütte. Dombaumeister Stuhlfelder erklärte uns sehr anschaulich, wie die Steinmetze mit mittelalterlichen Werkzeugen noch heute ausschließlich arbeiten. Diese Werkzeuge findet man nicht im Baumarkt. Sie müssen von den Steinmetzen in der eigenen Schmiede hergestellt werden. Er führte uns das Arbeiten mit Spitz-, Stumpf-, Flach- und dem gezahnten Meisel am Stein selber vor und erklärte uns anschaulich die Vorgehensweise. Er zeigte uns auch, wie man mit drei Eisenkeilteilen nebeneinander, in ausgeschlagenen Öffnungen verkeilt, selbst schwerstes Gewicht heben kann um die Quadersteine an Ort und Stelle einzulassen. Auch wie sehr verwitterte Statuen und Ornamente rekonstruiert werden war recht spannend.

Danach stiegen wir über die spiralförmige Rampe im Eselsturm bis zum Dachstuhl des Doms hinauf. Dort wurde die Zimmermannsarbeit und die Aufhängung der modernen Dom-Orgel an Stahlträgern im Dachstuhl erklärt. Im „Hamsterrad“ liefen drei Jugendliche und erfuhren dabei, wie früher Schwerstlasten hinaufgezogen wurden. Durch die große Öffnung im ersten Joch des Mittelschiffs schauten wir hinunter ins Langhaus. Die Leute dort unten erschienen uns recht klein. Danach ging es noch höher hinauf. Von der Brücke zwischen den beiden filigranen Türmen aus ist der Abstand nach unten genau so groß wie nach oben bis zur Turmspitze: 50 Meter. Wir konnten es nicht glauben. Optische Täuschung! Die Aussicht in die Ferne, auf die Steinerne Brücke und der Dächerblick ringsherum sind gigantisch. Er ist noch beeindruckender, wenn man sich über die Wendeltreppe bis zur Spitze schwindelfrei hinauftraut. Die drei Stunden Führung waren kurzweilig und vergingen wie im Flug. Den Nachmittag verbrachten wir entspannt mit Pizzabacken, Musik und Party im Klub.

Am Mittwoch konnten unsere spanischen Gäste ein typisch deutsches Sommerwetter erleben. Geplant war, nach Matting zu rudern, zu schwimmen, zu essen und viel Spaß bei der Badebucht dort zu haben. Weil es zunächst in Strömen regnete, waren wir uns schnell einig: Alternative war das Westbad. Nach vielen Stunden Vergnügen im Wasser, Rutsche und Sprung vom 10 m-Brett stärkten wir uns am reichhaltigen Picknick, das eigentlich für den Ausflug vorgesehen war. Trotz der Planänderung hatten wir alle einen tollen Tag im Westbad.

Am Donnerstag stand ein sehr ereignisreicher Tag auf dem Programm. Um 9 Uhr ging es mit dem Zug nach Cadolzburg über Nürnberg und Fürth. Dort empfing uns Bürgermeister Obst und erzählte uns bei erfrischend ungezwungenem Ambiente aus der Geschichte seiner Marktgemeinde. Wir überreichten eine Flasche Regensburger Wein als Dankeschön, stärkten uns nach der langen Bahnfahrt mit Butterbrezen und Getränken. Er war selber begeistert über unseren netten Besuch und unseren Jugendaustausch und lud uns nach dem gemeinsamen Foto noch zu einem Eis an der Eisdiele ein. Wir bekamen das Passwort Tui mit und die Rechnung wurde damit bezahlt! Unsere spanischen Freunde bedankten sich spontan mit einem heiteren Lied. Nur so könne Europa freundschaftlich wachsen, meinte er abschließend.

Und schon ging es weiter zum nächsten Programmpunkt: die Cadolzburg. In englischer Sprache erzählte uns die muttersprachliche Führerin die Geschichte der Burg, die Bedeutung des Geschlechts der Hohenzollern, der sehr alten Dynastie von Kurfürsten, preußischen Königen und deutschen Kaisern. Auch die Nürnberger Burg gehörte dazu. Anschaulich erklärte sie die Vergangenheit der Burganlage, ihre Bedeutung im Nationalsozialismus und ihre sinnlose Zerstörung gegen Ende des 2. Weltkrieges. Erst vor wenigen Jahren wurde die Burg wieder errichtet und ist heute ein interessantes, interaktiv gestaltetes Museum, wo die Besucher z. B. Turnierhelme aufsetzen, Kleidung aus der Zeit anprobieren, tanzen und spielen können. Nach der Burg wartete bereits der nächste, diesmal ein süßer Programmpunkt auf uns. Die Chocotek Riegelein. Dort bekamen wir einen Einblick in die Herstellung aufwendiger Hohlfiguren aus heller und dunkler Schokolade und die Möglichkeit, Schokolade aus einem Schokobrunnen und verschiedene Varianten von bitter bis süß zu probieren. Ein Film erklärte uns Anbau, Ernte und die Herkunft der Kakaobohne sowie die Geschichte zum Fairtrade Kakao. Dadurch erhalten die Bauern bessere Löhne und Bildung für ihre Kinder. So konnten sie in der indigenen Gemeinde im peruanischen Hochland bereits zwei Schulen bauen. Natürlich nahmen wir süße Erinnerungen für Freunde und Familie mit. Dann ging es Richtung Bahnhof. Den Umstieg in Nürnberg nutzten wir für einen Besuch der fränkischen Metropole, schlenderten in zwei Gruppen durch die Stadt mit ihrem abendlichen Flair und aßen dort zu Abend. Erschöpft, aber immer noch bei ausgelassener Stimmung, fuhren wir zurück nach Regensburg.

Am Freitag ging es um 9 Uhr Richtung Dietfurt im Altmühltal. Unterwegs machten wir Stopp für eine Besichtigung der Tropfsteinhöhle Schulerloch. Wir wanderten zunächst noch ca. fünf Minuten den Berg hinauf und kamen schließlich am Eingang zum Schulerloch an. Die Höhle mussten wir mit warmen Kleidungsstücken betreten, da in der Höhle konstante neun Grad Celsius herrschen. Während der halbstündigen Führung durch die 420 Meter lange Höhle erfuhren wir viel über die Geschichte der Tropfsteinhöhle, die einst eine Druidenschule war und jetzt aufgrund der guten Akustik auch als Konzertsaal genutzt wird. Wir lernten auch die verschiedenen Arten der Tropfsteine (Stalagtiten, Stalagmiten und Stalagnaten) und die Besonderheit des Schulerlochs mit ihren innen hohlen und mit Wasser gefüllten Stalagmiten, kennen. Der krönende Abschluss bestand in einer Videoprojektion zur Geschichte der Höhle auf die Felswand.

Nach einer zeitlichen Verzögerung durch den Kundendienst am Klub-Bus kam er später als geplant nach. Die Wartezeit war für uns dennoch kurzweilig, ein Ball hielt alle mit viel Spaß in Bewegung. Und wieder ist hier der Bereitschaft von Eltern zu danken, die allzeit bereit eingesprungen sind, wenn eine unvorhersehbare Improvisation vonnöten war. Es hat einfach rundherum gut geklappt. Danke an dieser Stelle an alle Teilnehmer und Akteure. In Dietfurt am Ruderklub angekommen, bauten wir das Mannschaftszelt auf und verbrachten die Zeit bis zum abendlichen Grillen mit den Dietfurtern mit Spielen und Schwimmen oder Rudern auf dem Kanal. Am Abend fingen wir dann mit Musik und Gesang unsere Party an. John, der dortige Grillmeister, hat für das leibliche Wohl gesorgt, Fleisch war in großen Mengen beim Metzger vorbestellt. Der Abend endete erst um 2 Uhr des nächsten Morgens. Unsere Gäste konnten mit guter Laune, Tanz und Gesang alle anstecken. Ein Glück, dass der Klub in Alleinlage steht. J

In der Früh standen wir ungefähr um halb neun auf, einige gingen rudern, andere sprangen ins Wasser und paddelten vergnügt auf einer Luftmatratze liegend, andere chillten aber auch noch im Bootshaus. Dann frühstückten wir zusammen Schokokekse, Hefezopf mit Marmelade und verschiedene Fruchtsäfte. Danach hieß es packen, Zelt abbauen, aufräumen und das Bootshaus wieder auf Vordermann bringen, so, dass wir wieder kommen dürfen. Eltern und Klub-Bus brachten uns wieder nach Regensburg. Auch hier ging alles reibungslos.

Am Abend gab es dann ein gemeinsames Abschiedsbüffet im Klub auf der Terrasse an einer langen Tafel.  Die Familien brachten wieder leckere Essensbeiträge, Väter machten sich ans Grillen und die Stimmung war hervorragend. Eine schöne Gelegenheit für die Eltern sich näher kennenzulernen. Nach dem Essen tanzten die Jugendlichen noch im Ergo-Raum und spielten Kicker oder Tischtennis. Die Zeit sollte nicht enden! Aber der Wecker musste am nächsten Tag sehr laut klingeln, damit alle am Sonntag pünktlich um 5:45 Uhr am Bahnhof eintrafen. Teilweise begleiteten dicke Tränen die Abschiedsgrüße: Wir kommen gerne wieder. Es war so schön hier! Das sagen wir auch liebe spanische Freunde: Es war so schön mit euch!

Maria mit Dennis, Jakob, Julia, Laura, Samuel, Vincent, Paula, Carolin und Johannes

Fotos: Maria Fernandez und R. F. Dietze

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