RRK Intern

Böhmische Dörfer

15.08.2018

Ruderpioniere des Regensburger-Ruder-Klubs erkunden die Eger-Stauseen

 Nach ungefähr fünfundzwanzig Rechtsabbiegungen kam eine Vorhut unserer insgesamt 22köpfigen Gruppe am Nachmittag im Euro-Hotel in Karlsbad an. Fahrtleiter Andy Fischer hatte den Klub-Bus samt Hänger nervenstark durch alle Engpässe und über alle Unebenheiten im Fahrbahnbelag gelenkt und uns sicher ans Ziel gebracht. Als erstes galt es, Loket zu erkunden, ein idyllisch auf einem von der Eger umrundeten Granitkegel gelegenes Städtchen samt Burg, das auch J.W. Goethe schon zu Entzücken hinriss: „Es liegt über alle Beschreibung schön und lässt sich als ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten.“ Empfohlen sei der Gastgarten des Hotels zum Weißen Ross, zum steil abfallenden Eger-Ufer hin ausgerichtet.

Als wir das malerische Städtchen verließen, wurde es gerade von hunderten Fans der Band Jethro Tull gestürmt, die sich ein Open-Air-Konzert am Ufer der Eger von deren 50th Anniversary Tour nicht entgehen lassen wollten. Woran man wieder lernen kann, dass man die Provinz nie unterschätzen darf.

Inzwischen hatten sich auch die Nachzügler auf den Weg gemacht und trafen am Nachmittag wohlauf im Kurort Karlsbad ein. Wir ließen uns jedoch gar nicht erst zur Ruhe kommen. Zu groß war der Tatendrang nach der Fahrt. Zu Fuß marschierten wir los in Richtung Innenstadt. Zunächst galt es jedoch eine Bank zu finden, um für das anstehende Abenteuer gewappnet zu sein. Bereits vor Erreichen der Stadtmitte wurden daher eifrig eine Eisverkäuferin sowie Passanten zu Hilfe gerufen. Im Zentrum hatten wir schließlich die Qual der Wahl und nach einer kleinen Erkundungstour wurden die ersten tschechischen Kronen zugleich in Eis investiert. Den aufkommenden Hunger vorerst beruhigt, begaben wir uns nun auf die Suche nach der restlichen Truppe. Zwar bedurfte es einer kurzen Verfolgungsjagd, dennoch war die Mission letztlich mit Erfolg gekrönt.

 Am Abend, inzwischen vollzählig, tunkten wir am Becherplatz (dazu später mehr) böhmisch-pikante Fleischsoßen mit fünferlei verschiedenen Knödeln in einem labyrinthischen Kellerlokal auf. Ein Kräuterbier inspiriert vom großen Getränkebrauer Jan Becher ließen wir aber halbgetrunken stehen.

 Am folgenden Vormittag konnten wir um 11 Uhr auf der Talsperre Jesenice losrudern, nachdem wir unter erschwerten Bedingungen (Mücken, starker Autoverkehr, räumliche Enge) abgeladen, geparkt, geriggert und die Boote zu Wasser gelassen hatten. Eine echte Pionierleistung.

 Highlight der Umrundung war die Erst-Durchfahrt der überfluteten Straßenbrücke vor Malá Všebo?, die einst über die Wondreb nach Velká Všebo? führte.

Die Suche nach einem Rastplatz erwies sich als knifflig. Nicht, dass es nicht genügend geologisch geeignete Stellen gegeben hätte. Zwischen viel Schilf gab es immer wieder freie Plätzchen. Auch blieben die befürchteten Wellen dank besten Wetters aus. Doch schienen auch die ansässigen Angler die Ufer des Stausees sehr zu schätzen. Da wir, entgegen unseres selbstbewußten Auftretens, zur friedlichen Art der Wanderruderfahrer gehören, entschied sich daher eines der vier Boote lieber dazu, gegen eine kleine Gebühr neue Hopfenkraft an einem kleinen Campingplatz zu tanken. Die drei verbliebenen Boote durften währenddessen ein Stück weiter, und nach Verhandlungen sogar kostenfrei, an einem Badestrand pausieren. Ideal also, um auch aus nächster Nähe Bekanntschaft mit dem Wasser zu schließen und sich eine willkommene Abkühlung zu verschaffen.

Positiv energiegeladen wurde nach der Pause noch das gesamte verbliebene Ufer ausgekundschaftet. Dabei entdeckten wir nicht nur eine wunderschöne Naturlandschaft sowie hübsche Häuschen mit eigenem Seezugang, auch einige Nacktbader zierten den Weg.

Nach dem Abriggern und Aufladen teilte sich die Gruppe entsprechend individueller Vorlieben. Für die einen ging es nach Maria Loreto, für die anderen nach Eger (Cheb) und schließlich wieder nach Karlovy Vary.

 Leider konnten wir die Wallfahrtskirche Maria Loreto nur von außen besichtigen, dennoch genossen wir die Kraft, die der herrliche Ort ausstrahlte und die Blicke über die sanft geschwungenen Hügel des Böhmerwalds.

 Der Samstagabend bot ausgiebig Gelegenheit entlang des Flüsschens Tepla Karlsbads beeindruckende Jugendstil-Prachtbauten und Kolonnaden zu bestaunen. Die nächtliche Beleuchtung brachte die Fassaden besonders gut zur Geltung. Einige Quellen (pramen) sprudeln mit mehr als 60° C aus der Tiefe. Das Heilwasser erinnerte im Geruch an Blut oder Rost und hinterlässt auf den Becken kalkartige Krusten.

 Mehr Begeisterung rief ein vor dem Grandhotel Pupp geparkter Lamborghini hervor. In diesem Traditionsbau stieg gerade die After-Show Party zur Czech Fashion Week. Starlets und Models huschten in Absätzen über den Vorplatz, die eine Stützung durch einen ritterlichen Begleiter nötig machten und stark mit unseren Trekking-Sandalen kontrastierten. Unserem Fahrtenleiter war es gelungen die ganze Bandbreite zwischen mondän und ländlich, zwischen glamourös und zünftig abzudecken.

Am Sonntagvormittag brachte uns im Jan-Becher-Muzeum eine charmante und garantiert artikelfreie Führung ("Johann, warr Sonn von Josäff Vitus") über die mehr als 200jährige Geschichte der Likörmanufaktur mit Kostproben des Original-Kräuterschnapses und seiner jüngeren Varianten in Schwung: "wird getrunken aus Becher. Zwei Becherovka sind für Vergnügen, drei für Gesundheit und vier für eigenes Risiko."

 Solchermaßen beschwingt und eingedeckt mit Mitbringseln aus dem Jan-Becher-Shop begaben wir uns abermals nach Cheb, diesmal an den Skalka-Stausee. Wir hievten die Boote über ein halbhohes Tor, um sie zur Einsetzstelle zu bringen und konnten uns bald darauf von den Qualitäten der Dorfwirtschaft von Pomezí nad Oh?i überzeugen, in welche wir uns vor beginnendem Regen retteten, gerade als wir die Boote startklar hatten. So muss dieser Teil der Wanderfahrt auf einen anderen, noch zu bestimmenden Termin verlegt werden. Nach unserer Zwangspause riggerten wir die Boote wieder ab, verluden sie erneut und traten den Heimweg nach Regensburg an.

 Ohne die sorgfältige und gewissenhafte Vorbereitung und Planung durch unseren Fahrtleiter Andy Fischer wäre dieser Aufbruch zu neuen Ruderufern nicht möglich gewesen. Ihm gilt der Dank der Gruppe für sein Engagement und die kundige Durchführung dieser Fahrt! Wir freuen uns bereits jetzt auf Teil 2 des Abenteuers!

Text: Claudia Zerrmayr und Maike Limmer

Fotos: C. Zerrmayr und D. Groteloh (4 und 6)

 

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